Bildungsprogramme zur Verfolgung von Sinti und Roma.
Seminarreihen mit Romnja und Stadtteilmüttern

„Wir leben zwar zusammen in einer Gesellschaft, aber manche haben eine lautere ‚Geschichte‘ und andere sind gar nicht zu hören.“ So bringt eine Teilnehmerin auf den Punkt, wie ungleiche Machtverhältnisse unsere Teilhabe an der Geschichtsschreibung und Gegenwart beeinflussen.

In unseren Bildungsprogrammen im Arbeitsbereich "Geschichte(n) in der Migrationsgesellschaft" setzen sich Romnja und Stadtteilmütter aus migrantischen Communities in Berlin mit der deutschen Geschichte auseinander. Der Blick auf die NS-Verbrechen macht deutlich, wie Ablehnung, Ausgrenzung und Rassismus in einen Genozid führen können.

NS und seine Folgen

Die Folgen des nationalsozialistischen Völkermordes an über einer halben Million europäischen Sint*ezze und Rom*nja wirken bis heute nach: Ab 1945 begann eine zweite Verfolgung und mit ihr eine Zeit anhaltender Diskriminierung, verwehrter Anerkennung und langwieriger Kämpfe. Dank unermüdlicher Bestrebungen der Bürger*innenrechtsbewegung begann in den 1980er ein zögerliches Umdenken. Doch bis heute prägt der Rassismus den Alltag vieler Rom*nja und Sint*ezze. Die vielfältigen Minderheiten der Roma, Sinti, Manusch, Lovara und Kale – um nur einige Gruppen zu nennen – werden in Deutschland kaum wahrgenommen. Stattdessen bestimmen feindliche stereotype Bilder von „den Roma“ unsere Sicht.

Historisch-interkulturelle Seminarreihen für Romnja und Stadtteilmütter

In mehrwöchigen Seminarreihen erkunden die Teilnehmerinnen historische Orte in Berlin und Niedersachsen und kommen mit Zeitzeuginnen der ersten und zweiten Generation ins Gespräch. Ein besonderer Schwerpunkt bildet die Arbeit mit den Biografien. Neben der Erfahrung der Anerkennung, wenn die eigene Geschichte erzählt werden kann, macht die Vielfalt der Lebensgeschichten die Individualität innerhalb vermeintlich homogener Kollektive deutlich. Die Teilnehmerinnen verfassen in Schreibwerkstätten eigene Texte, in denen sie sich mit ihren Sichtweisen auf die Geschichte auseinander setzen.

Modellprojekt Biografien der Vielfalt"

Die Bildungsprogramme mit Stadtteilmüttern und Romnja in Berlin und Niedersachsen sind Teil des Modellprojektes „Biografien der Vielfalt".

Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Kontakt:

Sara Spring
E-Mail: spring[at]asf-ev.de
Tel: 030/28395-156 oder -184

Broschüre

"Wir müssen unseren Kindern die Geschichte der Sinti und Roma erzählen."

In dieser Publikation kommen fünfzehn Stadtteilmütter zu Wort, die über ihre Begegnungen mit der deutschen Geschichte und über den Völkermord an den Sinti und Roma berichten. Ihre Texte sind Ausdruck aufmerksamer und kritischer Sichtweisen auf die Gesellschaft . Sie fordern einen aktiven Umgang mit der Vergangenheit und ein größeres gesellschaftliches Bewusstsein für Rassismus und seine Folgen.

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Aus der Praxis

"Wir wollen mitreden!"

In einer Schreibwerkstatt mit Neuköllner Stadtteilmüttern entstanden Texte über Geschichte, Erinnerungskultur und aktuellen Rassismus. Sie sind Ausdruck aufmerksamer, kritischer Sichtweisen auf unsere Gesellschaft und regen zum Nachdenken an.

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  • im Rahmen des Bundesprogramm
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